Femizid: Wenn der Abschied auch Zeugnis ablegt – wie eine würdevolle Zeremonie möglich ist

Warum dieser Abschied besonders schwer ist

Der Tod durch Femizid hinterlässt eine Familie in einer doppelten Situation. Einerseits Trauer um den Menschen. Andererseits Schmerz, Wut, Ungläubigkeit über die Umstände. Und oft: Medienaufmerksamkeit, Verfahren, Öffentlichkeit.

Mitten darin soll eine Zeremonie stattfinden. Für viele Familien ist das überwältigend. Sie wissen nicht, was sie sagen sollen. Ob sie über die Todesart sprechen. Wie sie der Frau gerecht werden, ohne in der Tragödie unterzugehen.

Was ich in dieser Situation tue

Ich führe zunächst ein ruhiges Gespräch mit der Familie – ohne Agenda, ohne Vorgaben. Ich lerne die Frau kennen, die gestorben ist. Nicht durch ihren Tod. Durch ihr Leben.

Was liebte sie? Was machte sie aus? Was würde sie jetzt, wenn sie uns zuhören könnte, sagen wollen?

Die Zeremonie, die daraus entsteht, handelt von ihrem Leben. Nicht von ihrem Tod. Nicht von den Umständen. Ihr Leben ist das, was bleibt. Und das verdient den Mittelpunkt.

Darf man über den Femizid sprechen?

Das entscheidet die Familie. Es gibt keine richtige Antwort. Manche wollen, dass ausgesprochen wird was passiert ist – als Zeugnis, als Haltung, als letzter Akt der Würde. Andere wollen ausschliesslich feiern wer sie war, ohne die letzten Stunden.

Beides ist möglich. Beides ist richtig. Ich folge dem, was die Familie braucht.

Was die Zeremonie leisten kann

Eine gute Abschiedszeremonie gibt der Trauer einen Rahmen. Sie erlaubt dem Schmerz, da zu sein – laut oder still, wie er kommt. Sie gibt der verstorbenen Frau nochmals Stimme. Und sie gibt der Familie etwas zum Festhalten: einen Moment, in dem alles anderen pausiert und nur sie zählt.

Das ist keine kleine Sache. In einer Zeit wo alles unkontrollierbar wirkt, ist dieser Moment etwas das die Familie gestalten kann.

Wie ihr anfangt

Schreibt mir. Auch mitten in der Nacht wenn die Worte fehlen. Auch wenn noch nichts klar ist. Eine kurze Nachricht reicht. Ich bin diskret, ich urteile nicht, und ich melde mich so schnell wie möglich.

Anita Meyer – zert. Bestattungs-und Trauerrednerin seit über 15 Jahren