Manchmal wollen Angehörige selbst ein paar Worte sprechen zum Abschied– neben oder anstatt der Trauerrednerin. Das ist mutig und gleichzeitig auch kraftvoll und schön. Aber wie findet man Worte, wenn man selbst mitten in der Trauer steckt? Anita Meyer gibt praktische Hilfe.
Warum eigene Worte so wertvoll sind
Wenn ein Kind, ein Partner oder ein enger Freund selbst spricht, hat das eine Kraft die keine professionelle Rede ersetzen kann. Es ist die Stimme, die den Verstorbenen am besten kannte. Es ist die Stimme, die noch einmal zu einem geliebten verstorbenen Menschen sprechen möchte, damit die letzten liebevollen Worte nicht verstummen.
Gleichzeitig ist es eine der schwersten Aufgaben überhaupt. Ich begleite oft Angehörige dabei, die selbst sprechen wollen – als Ergänzung zu meiner Rede, oder anstatt.
Wie lang sollte es sein?
Ein bis drei Minuten reichen vollkommen. In der Trauer ist Kürze keine Schwäche – sie ist Respekt vor euch selbst und vor dem Moment. Niemand erwartet eine lange Rede von euch.
Eine einfache Struktur
- Ein Satz zur Beziehung:«Sie war meine Mutter, meine beste Freundin, meine erste Telefonnummer im Notfall.»
- Eine konkrete Erinnerung:Nicht allgemein – spezifisch. Ein Moment, ein Satz, eine Eigenheit.
- Was bleibt:Was nehmt ihr von dieser Person mit – in eurem Leben, eurem Verhalten, euren Werten?
- Ein Abschiedswort:Kein Muss. Aber wenn es sich richtig anfühlt – ein letzter direkter Satz an die Person.
Was wenn ich nicht durchhalte?
Das ist erlaubt. Niemand im Raum erwartet in diesem Augenblick Perfektion von Euch. Wenn ihr unterbrechen müsst – atmet, nehmt euch Zeit, oder bittet jemanden den Rest vorzulesen. Ich bin bei der Zeremonie immer in der Eurer Nähe und kann einspringen, wenn die Stimme nicht mehr mitmacht oder Euch die Trauer überrollt. Ihr braucht das mit mir nicht abzusprechen, ich spüre wenn ihr nicht mehr könnt und übernehme sofort, wenn ihr das wollt. Ein leichtes Nicken reicht.
Schreibt es auf – auch wenn ihr es im Kopf habt
In dem Moment ist die Erinnerung an eure eigenen Worte oft weg. Schreibt eure Rede auf, druckt sie aus oder schreibt sie auf eine Karte. Lest ab. Das ist klug, nicht schwach.
Brauche ich Hilfe beim Schreiben?
Viele Angehörige finden es leichter, wenn jemand beim Formulieren hilft – ohne die eigenen Worte zu ersetzen. Ich biete das an: ihr erzählt mir, was ihr sagen wollt, und ich helfe euch, es in Worte zu fassen die wirklich von euch sind. Authentisch und persönlich.
Wenn ihr selbst sprechen wollt – ich helfe euch, die richtigen Worte zu finden.

